SMS-Spenden: Schnell, spontan und viral. Aber hierzulande bislang eher ein Flop

Gerade ist in den USA die erste detaillierte Studie zu SMS-Spenden erschienen. Die repräsentative Studie, durchgeführt vom Pew Center for the Internet and American Life, The Berkman Center at Harvard, und mGive (und finanziert von der John S and James L Knight Foundation – wann wird mal eine deutsche Stiftung in diese Themen investieren?) untersucht das Spendenverhalten von 863 Handybesitzern während der Text for Haiti Kampagne, über die 2010 43 Mio. USD an Hilfsgeldern für Haiti zusammenkamen. 9% der Amerikaner beteiligten sich an der Kampagne und etablierten einen neuen Typ von höchst spontanen und viralen Spenden.
Fernsehen ist der wichtigste Multiplikator
Die überwältigende Mehrheit der Spender (89%) erfuhr übers Fernsehen von der Kampagne und verschickte ihre Spenden-SMS sofort (50%), bzw. noch am gleichen Tag (23%). 80% nutzten nur diesen Kanal und ignorierten andere Spendenaufrufe im Internet oder per Postwurfsendung.
Für die meisten (73%) war Text for Haiti der Einstieg ins SMS-Spenden – aber mehr als die Hälfte (56%) haben seitdem auch für andere Katastrophen wie das Erdbeben in Japan oder die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko per SMS gespendet.
Die SMS-Spenden erfolgten meist ohne weitere Recherche. Hierin unterscheiden sie sich von anderen digitalen Spendenentscheidungen, denen, so die Studie, öfter Internetrecherchen zugrunde liegen (so gaben 21% der SMS-Spender an, sie würden Hilfsorganisationen online checken).
Mund zu Mund statt Online
Interessant sind auch die Erkenntnisse zur viralen Verbreitung der Kampagne. Fast die Hälfte der SMS-Spender (43%) forderten Freunde und Verwandte auf, ebenfalls zu spenden und waren darin auch in 76% der Fälle erfolgreich. Besonders effektive Multiplikatoren waren schwarze Amerikaner (die im Durchschnitt 25% mehr spenden als weiße) und junge Zielgruppen.
Die meisten weiteren Spenden (75%) wurden dadurch ausgelöst, dass über SMS-Spenden im Freundeskreis gesprochen wurde, 34% forderten ihre Freunde per SMS zum Spenden auf, 21% indem sie die Kampagne über ein soziales Netzwerk verbreiteten und 10% indem sie eine email schrieben.
Es ist vorhersehbar, dass SMS-Spenden zukünftig noch eine größere Rolle im Spendenmarkt spielen werden. Fast jeder trägt ein Handy mit sich herum und insbesondere im Katastrophenfall können Menschen schnell und spontan ihrem Bedürfnis zu helfen nachgehen. Es wird interessant sein zu verfolgen, wann dieser Spendenkanal auch in Deutschland relevant wird. Denn obwohl es hierzulande ein paar erfolgreiche SMS-Spendenaktionen gab – u.a. als nach dem Erdbeben auf Haiti der Bundespräsident SMS-Spenden erwähnte und auch der WWF berichtet von Erfolgen mit gezielten SMS-Mailings – sind SMS-Spenden in Deutschland im Allgemeinen noch zu vernachlässigen (s. hierzu auch den Beitrag zu Online Fundraising im betterplace lab Trendreport).
Hier findet ihr die ganze Studie.