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Über Mich

 
 

Joana Breidenbach

Ich wurde 1965 in Hamburg als Joana v. Rechenberg in eine reiselustige und bildungsbegeisterte Familie hineingeboren. Nach einigen Jahren auf dem Wilhelm-Gymnasium zog ich ans Kelly College nach Devon, UK, um dort meine A-Levels zu machen. Der Weg von Hamburg Harvestehude ins Internat im Dartmoor war für mein ganzes späteres Leben bedeutsam; Punk und die britische Liebe zur Exzentrik zeigten mir, wie bunt und eigenwillig meine Welt sein konnte. Im Anschluss verbrachte ich ein Jahr in Genf, wo ich noch einmal kurzzeitig an meine höhere Töchter-Kindheit anknüpfte. 

1984

Es folgte ein Studium der Völkerkunde (heute Kulturanthropologie), Kunstgeschichte und Osteuropäischer Geschichte an der LMU in München. Dort faszinierten mich insbesondere die Vorlesungen von Laszlo Vajda. Vajda verstand es die Dynamik des europäischen Hexenglaubens genauso spannend zu vermitteln wie die Himmelsreise sibirischer Schamanen. Auf seine Empfehlung hin schrieb ich meine Magisterarbeit über eine sehr verstaubte Sammlung ostafrikanischer Amulette und Schmuckstücke im Budapester Völkerkundemuseum. Das spannendste an dieser Arbeit war, dass ich kurz vorm Fall der Mauer mehrere Monate in Ungarn verbrachte.

Im Sommer 1989 zog ich dann mit Stephan Breidenbach, den ich in meiner ersten Münchner WG kennengelernt hatte, für ein Jahr nach Berkeley. Hier wurde mein anthropologisches Weltbild völlig auf den Kopf gestellt: statt staubiger, historischer Forschung (an der LMU) widmeten sich meine Professoren, darunter die von mir bewunderte Laura Nader, hoch politischen Alltagsthemen zu – vom Kampf der Zapatisten im mexikanischen Chiapas bis zur US-amerikanischen Schönheitschirurgie. Zusätzlich energetisiert wurde ich im Anschluss durch ein Erasmus-Stipendium am University College London. Daniel Millers Arbeiten zum Massenkonsum und kulturellen Globalisierung bildeten das Fundament meiner weiteren Arbeit.

1994

Nach meiner Promotion zum Dr. Phil (an der LMU) und einem Umzug nach Berlin, fing ich gemeinsam mit meiner Freundin Ina Zukrigl an, mich mit den kulturellen Folgen der Globalisierung zu beschäftigen. In Büchern (Tanz der Kulturen), Vorträgen und Artikeln, darunter einer langjährigen Kolumne in brand eins, ließen wir die spannenden, meist kontraintuitiven Erkenntnisse der Kulturanthropologen einerbreiteren Öffentlichkeit zukommen: im Gegensatz zur damals vorherrschenden Meinung geht Globalisierung nämlich nicht mit einer allgemeinen kulturellen Homogenisierung einher. Im Gegenteil, durch den Kontakt der unterschiedlichsten Lebensformen entsteht eine neue kulturelle Vielfalt. 

1992 und 1995 waren Stephans und meine Kinder, Lilian und Vico, zur Welt gekommen. Das ich so intensiv arbeiten und auch längere Feldforschungen machen konnte, verdanke ich einem wundervollen Berliner Kinderladen und dem weltbesten Freundinnen-Netzwerk, allen voran Isabel Kleihues und Nicola Bramigk.

Von 2000 an startete meine Kooperation mit dem ungarischen China-Wissenschaftler und Anthropologen Pál Nyíri. Aus unserer doppelten Perspektive – meiner populärwissenschaftlichen und Páls akademischen – entstanden eine Reihe von Forschungsarbeiten, Büchern, Artikeln und Uniseminaren zu einem breiten Themenspektrum. Wir recherchierten die Lebenswelten sowjetischer Theoretischer Physiker in Russland, ebenso wie die chinesischer Migranten in der italienischen Textilindustrie. Ein Schwerpunkt unserer gemeinsamen Arbeiten bildete die Erforschung des neuen Massentourismus in der Volksrepublik China und Russland. Ein anderer Fokus war die zunehmende Kulturalisierung der Welt, d.h. wir verfolgten in Maxikulti und Seeing Culture Everywhere wie „Kultur“ von einem Konzept der Kulturanthropologie des 19. Jahrhunderts immer mehr (und meist fälschlich) als Erklärungsmechanismus für alle möglichen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen herangezogen und wichtigere Faktoren dadurch verschleiert wurden.

2006

2006 nahmen wir uns als Familie eine Auszeit und reisten fünf Monate lang um die Welt. Dabei entstand nicht nur In 136 Tagen um die Welt, ein Buch das meine damals 10 und 12jährigen Kinder über die Weltreise schrieben, sondern auch die Idee zu betterplace.org. Ursprünglich gedacht als eine Art „eBay für Hilfe“ wollten wir mit der Internetplattform kleinen Grassroots Projekten aus der ganzen Welt eine Bühne geben, um sich transparent und kostenlos zu präsentieren und Unterstützung einzuholen. Einige Monate nach unserem Projektstart lernten wir dann (zuerst übers Internet) Till Behnke kennen, der mit Freunden an einer sehr ähnlichen Idee bastelte. Wir taten uns zusammen und im November 2007 ging betterplace.org online. Seitdem ist betterplace.org zur größten deutschen Online Fundraising Plattform für soziale Projekte geworden.

2010 gründete ich dann, unterstützt von Dennis Buchmann, das betterplace lab. In diesem Think und Do Tank erforschen wir die Schnittstelle zwischen digitalen Medien und Gemeinwohl. Beide, betterplace.org und betterplace lab, sind Teil der gut.org gAG und werden von einem phantastischen Team aus Gesellschaftern und operativen Mitarbeitern vorangetrieben. Seit Sommer 2015 bin ich aus dem operativen Team ausgeschieden und in den Aufsichtsrat der gut.org gegangen. Darüber hinaus begleite ich die Plattform und das lab, u.a. auch unseren Team Transformer-Prozess. Statt eine neue Chefin – eine neue LaBoss – zu suchen, experimentieren wir im betterplace lab mit Selbstorganisation und einer flexiblen, kompetenzbasierten Hierarchie.

2014

2014 erschien mein Kinderkrimi Edwina Ermittelt in Berlin im Gestalten Verlag. Den habe ich, wie fast alle meine Projekte, auch wieder mir einer Freundin, Judith Homoki, umgesetzt.

Neben diesen vielen nach außen gerichteten Aktivitäten nimmt seit einigen Jahren auch die innere Arbeit, Meditation und Kontemplation, in meinem Leben immer mehr Platz ein. Gemeinsam mit dem spirituellen Lehrer Thomas Hübl erforsche ich u.a. wie technologische Innovation und Bewusstsein zusammen hängen. Gemeinsam mit Freunden veranstalte ich eine Reihe von Meditationsretreats, u.a. in unserem Weiler La Haute Carpeneé in Südfrankreich.

2017

Im Zuge der Ankunft von über einer Millionen Flüchtlinge in 2015 beschäftigt mich die politische Situation in Deutschland. Inmitten der zunehmenden gesellschaftlichen Kluft und Polarisierung sehe ich auch die Chance, dass wir als Gesellschaft zu einem globozentrischeren Weltbild vordringen, welches persönliche und nationalistische Partikularismen überwindet.

So engagiere ich mich in der ReDI School for Digital Integration, welche Geflüchteten den Zugang zu IT-Kompentenzen und der Berliner Startup Szene ermöglicht. Seit 2017 unterstütze ich im Kuratorium die Arbeit der Alfred Herrhausen Gesellschaft, als Präsidiumsmitglied die Stiftung Neue Verantwortung und betätige mich im Beirat von CRCLR. Zudem bin ich als (Mini)Investorin an einigen innovativen, mission-driven Startups wie Clue, Linguee, BE Solutions und nebenan.de beteiligt.

Der gemeinsame Nenner, der sich durch alle meiner Aktivitäten zieht, ist das ich auf der einen Seite eine starke Basis in meiner Familie habe und zugleich gerne an der äußersten Spitze der Gegenwart lebe. Mein innerer Magnet fühlt sich von dem angezogen, was „edgy“ ist und ich bringe liebend gerne Neues in die Welt. Ich bin gespannt, was das Nächste sein wird.